Heldenzeiten - das schreibt die Presse

Die Kinder sind seine wahren Helden, Stefan Jürgens ist Comedy-Star, dazu auch noch Musiker und vor allem liebender Vater

 "Wer ist Stefan Jürgens? Nie gehört? Was macht der denn?"
Schon steckt man in Erklärungsnot. Nicht weil sich der 43-jährige Wahlberliner und Vater von drei Kindern rar macht. Ganz im Gegenteil. Als Darsteller für Film- und Fernseh-Produktionen, Theater-Schauspieler, Stand Up-Comedian, Kabarettist und Musiker ist er präsenter als viele seiner Kollegen. Googelt man nach ihm, wird man trotzdem nur mit kleinen, biografischen Daten gespeist. Interviews gibt er nur selten, "Weil man in meiner Arbeit genug von meiner Persönlichkeit entdecken kann. Wenn man will", sagt er. Sieht man das Gesicht zum Namen, fällt plötzlich bei ganz vielen der Groschen. Wie bei den Kellnerinnen der Tapas-Bar in der Kölner Altstadt, die ganz entzückt um den Tisch herumtänzeln, an dem Stefan Jürgens an diesem Herbsttag Auskunft gibt. Über sich, seine Arbeit, seine Ansichten, seine künstlerische Sozialisation in den siebziger Jahren. Drei Namen fallen. Lennon, wegen des politischen Gehalts und des gepflegten Anarchismus in dessen Texten. Zappa, wegen der musikalischen Verrücktheiten und den Provokationen im Rock-Kontext. Bowie, weil er ganz neue Formen von Musik kreiert hat. Davon übrig geblieben ist für Jürgens die Erinnerung an eine persönliche Haltung der Gesellschaft gegenüber. Aussagen. Inhalte. Für etwas stehen. Lcbensphilo-sophien, an denen man sich reiben konnte. Musiker wollte er mit 16 Jahren in seiner Heimatstadt Unna werden. Das Gefühl, als Kontrabassist in einem Schülerorchester Teil eines Klangkörpers zu sein, hat ihn bis heute nicht verlassen. Musiker ist er geblieben. Auf unkonventionelle Weise. Nach der Schauspielschule in Bochum folgten Engagements an Theaterbühnen in Berlin, Köln, Bremen, Bochum und Dortmund. "Ich wollte Theaterstar werden. Zehn Jahre lang habe ich die klassischen Sachen gespielt. Shakespeare, Goethe, Kleist. Aber mit 28, 29 habe ich gemerkt, wie unfrei mich das Theater machte, weil ich nicht immer ewig auf die zugeschusterten Rollen warten wollte. Außerdem konnte ich mich als Theaterschauspieler nicht durchsetzen. Ich brauche halt für alles etwas länger. Also musste ich da weg." Anfrage von RTL. Im Kino debütierte er 1991 als Fußball-Hooligan in Adolf Winkelmanns "Nordkurve". Dann kam die Antrage von RTL für die erste Live-Comedy-Reihe im deutschen Fernsehen. Jürgens war Gründungsmitglied von "Samstag Nacht" und blieb dem Format fünf Jahre lang treu. Als lehrreich bezeichnet er seine Zeit bei der Sketch-Reihe. "Dort fanden meine ersten grauenvollen Stand Up-Erfahrungen statt. Das Publikum pfiff mich zum Teil von der Bühne. So schlecht war ich. Aber ich konnte da lernen, wie man eigene Programme schreibt." Vor dem ersten eigenen Kabarett-Programm ermittelte er gemeinsam mit Dominic Raacke sechs Mal am Berliner "Tatort". Seine Unlust, sich auf feste Formate zu fixieren, führte schließlich 2000 zu seinem Debüt als Bühnensolist mit dem Programm "Alles Anders". Ein Befreiungsschlag. Kabarett und Musik, Spott und Witz, unterbrochen von sanften, persönlichen, meist akustischen Songs, bilden seither den roten Faden, der sich durch die Solo-Programme von Jürgens zieht. "Zeit zum Luftholen" nennt er die musikalischen Interludien zwischen den Wortblöcken. Sowohl für das Publikum wie auch für ihn selbst. Zeit zum TV-Glotzen nimmt sich der TV- und Kinostar, der am 14. November im Sat.l-Film "Die Krähen" zu sehen sein wird, selbst praktisch kaum noch. Wenn doch, dann am liebsten für Dokumentationen oder Comedians mit singulärem Status und Chuzpe. Michael LoesI, AZ

 

Der mehrfach ausgezeichnete Fernseh-Schauspieler Stefan Jürgens überrascht mit einem ungewöhnlichen Doppelalbum. ..Heldenzeiten" besteht aus einer CD mit selbst geschriebenen Songs und einer weiteren CD mit ebensolchen Kabarettnummern. Obwohl er zu den Gründervätern in der deutschen Comedy zählt ist der aktuelle künstlerische Output von Stefan Jürgens alles Andere als gefällige Abflachware. Seine Songs könnten intensiver und ernster nicht sein. Da muss man sich Zeit nehmen und inne halten, sonst ist's schade drum. Etwas lockerer kann man an die Bonus CD mit dem Titel ..Worte" herangehen. Ausschnitte aus seinem aktuellen Biihnenprogramm - 60 Minuten entspanntes Entertainment. (edel) Volker Peter

 

 

Die meisten kennen Stefan Jürgens noch als Comedian bei RTL Sams-lag Nacht. oder als Schauspieler im Tatort, dabei hat er noch bedeutend mehr drauf. Mit Heldenzeiten" legt er jetzt sein neuestes Studioalbum vor. Seine selbst verfassten Songs sind mal zart-melancholisch, auch mal zynisch, aber immer sehr direkt und persönlich. Überhaupt ist es wohl ein sehr persönliches Album geworden. welches zurück zu seinen Wurzeln geht. Oberflächlichkeit ist für Stefan Jürgens ein Fremdwort. Er zeigt all seine Facetten die er als Liederma¬cher im wahrsten Sinne des Wortes hat.. Stefan Jürgens macht schöne Lieder welche die Helden des Alltags in den Mittelpunkt rocken. Wer vom Comedian Stefan Jürgens nicht genug bekommen kann. dem sei die Bonus-CD ans Herz gelegt, denn hierauf präsentiert er sich als Kabarettist live in Hochform. (sg) m&r

 

Strammstehen oder jammern
Ex-Comedian Stefan Jürgens hält den Deutschen im TiF einen Spiegel vor
Bremerhaven. Besonders komisch findet sich Stefan Jürgens, der durch die Comedy-Show "Samstag Nacht" bekannt geworden ist, nicht. "Wahrscheinlich haben sie neben all den Verrückten einen gesucht, der die Schauspielerei von der Pike auf gelernt hat". glaubt er, wenn er auf die RTL-Zeit zurückblickt. Wer sich von seinem Programm "Heldenzeiten" leicht verdauliche Kost erwartet hatte, sah sich im Theater im Fischereihafen (TiF) getäuscht. Dort tischte der 43-jährige Schriftsteller, Kolumnist, Musiker und Kabarettist zum Thema deutsche Befindlichkeit recht knackig auf."Habt ihr Angst im Dunkeln?", fragte Jürgens anfangs, ehe er dem Publikum manchmal witzig, meist nachdenklich und oft zynisch den Spiegel vorhielt, "Deutschland kann entweder strammstehen oder jammern." Weichei-Mentalität und "Immer schön den Kopf in den Sand", unbegründete Zukunftsängste und Wohlstand als einklagbares Recht: Es gibt einfach keine richtigen Helden mehr. Und keine Telefonzellen, Supermann-Kenner sehen da einen Zusammenhang. Aber früher war sowieso alles besser "Früher hatte jeder Zweite mit 18 den Führerschein, heute jeder Dritte mit 19 schon nicht mehr,"Mit Sprühschlamm Früher wären zu den poetisch-melancholischen Moll-Liedern die Feuerzeuge geschwenkt worden, heute stroboskopblitzen die Handys. Von Matthias Kahra an der Akustik-Gitarre und Sascha Magister am Keyboard unaufdringlich begleitet, träumte Stefan Jürgens mit leicht rauer Samtstimme am Flügel, Der Mond mit seiner vornehmen Blässe, der Kerl mit den steinernen Schläfen, Grummeln im Bauch und regennasse Scheiben: Für sich und einen Abend lang wäre das wohl zu viel der Bilder und Stimmungen, aber als Ergänzung zu den Texten klappte es famos. Und andersherum auch."Das Leben ist bizarr", sang er und mokierte sich über Eltern, die ihre Kinder mit Helm aufs Schaukelpferd setzen und Off-Road-Fahrer, die das Auto in der Garage mit Sprühschlamm bearbeiten, "In Düsseldorf hat man den schneller kapiert", setzte er nach, um sofort sehr überzeugend in die Rolle des Proll-Stars zu schlüpfen, der Lafite-Rothschild mit Cola trinkt und über alles und jeden lästert; "Wo viele Schweine sind, da kann man nichts versauen."Als Zugabe noch etwas Lustiges zu One-Night-Stands und nahtlos drei ältere Songs; Stefan Jürgens ist ein Routinier und viel besser als sein Comedy-Image. Ulrich Müller, NZ Kultur 02.06.

 

Heldenzeiten im Jammerland
Pantheon Stefan Jürgens mit Zukunftsangst- Analysen und atmosphärischen Chansons
Wie weit ist dieser Mann von früheren „Samstag Nacht“ – Zeiten entfernt, und wie andersartig ist das, was er nun auf der Bühne zeigt. Stefan Jürgens ließ allerdings – ebenso wie Esther Schweins – schon während der populären RTL Comedy vor zehn Jahren erkennen, dass er dort lediglich einen kleinen Ausschnitt seines künstlerischen Potentials präsentierte. Der 42- jährige Schauspieler, Schriftsteller, Kolumnist, Musiker und Kabarettist gastierte im Pantheon mit seinem Programm „Heldenzeiten“.Jürgens greift die Jammer- Mentalität im Lande an, das Kopf-in-den-Sand-stecken, die Zukunftsangst. Wovor haben die Deutschen eigentlich Angst? Und warum? „Wir haben vor vielen Dingen keine Angst, vor denen wir eigentlich Angst haben müssten- Aids, Polkappenschmelzen, Spliss... Aber wenn das Mineralwasser zwei Cent teurer wird, denken alle, sie verdursten.“Es fehle wohl an Aufbruchstimmung, am Ärmel- Hochkrempeln; Jürgens spielt auf die Trümmerfrauen an. Freilich: „Wo sollen wir denn noch was aufbauen? Es steht doch überall schon was `rum.“ Der konterkarierende Bogen schließt sich mit der provozierenden Feststellung, dass den meisten Nachkriegsgebäuden anzusehen sei, „das Frauen am Werke waren.“Vielleicht ist das deutsche Volk so verzagt, weil es keine Helden mehr gibt. Helden wir Jim Knopf, Willy Brand, David Bowie oder Frank Zappa. „Es gibt keine Helden mehr, es gibt auch keine Telefonzellen mehr, da besteht ein Zusammenhang“, vermutet Supermann- Kenner Jürgens. Antike Helden haben auch ausgedient: Alexander der Grosse müsste sich heuer als Kriegsverbrecher verantworten, und Hannibals Marsch über die Alpen wäre bloß noch eine Verkehrsmeldung wert- Vorsicht bitte, 38 Elefanten im Gotthard- Tunnel.Dazwischen setzt sich Jürgens ans Piano, begleitet von Matthias Kara an der Gitarre, und spielt unaufdringlich arrangierte, äußerst atmosphärische Chansons, federleicht und doch zentnerschwer. Sie nehmen den Zuhörer mit auf eine Reise durch nächtliche Großstädte; Straßen mit Autokolonnen, die Fußgänger schemenhafte Gestalten. Der einzige Gefährte in der Dunkelheit ist der beständige Sprühregen, den einem der kalte Wind ins Gesicht weht. Du fragst dich, ob du allein bist, und lieferst die Antwort gleich mit: Du bist allein. Bonner Generalanzeiger 11/05

 

„ ... Laut honorierten die Zuschauer die zynischen, aber nicht übertriebenen Darstellungen von den Ängsten unserer Gesellschaft, um dann bei Jürgens´ Liedern nachdenklich zu werden. „Dieser Gegensatz aus bissiger, aber wahrheitsgetreuer Comedy und poetischer Musik macht das Programm so interessant“ befand ein Zuschauer... “Westfälische Rundschau 09/05

 

„Mit der Vorpremiere seines neuen Programms „Heldenzeiten“ wagte Stefan Jürgens ein Experiment. Und es gelang.“„ ... was folgte waren zwei Stunden gelungene Stand-up-Comedy. Mal zynisch und gewollt bösartig bis hart an die Grenze und im nächsten Moment wieder sympathisch und ehrlich.“„ ... Textlich wunderschöne Liebeslieder, bei denen Stefan Jürgens von Mathias Kahra auf der Gitarre begleitet wurde, rundeten das Programm ab.“Hellweger Anzeiger 09/05

 

„ ... sein Programm, vor allem die wunderbaren Nummern, die er am Klavier singt, ist prinzipiell eine konzeptionelle Sternschnuppe... “„ ... Stefan Jürgens bewegt sich durch originelle Szenarien, tröpfelt Ironie, Polemik und Unterstellung wohldosiert ein... “Westdeutsche Zeitung 09/05

 

„ .. Jürgens bietet keine Visionen, stellt sich nicht mit der Gegenwartsgesellschaft an die Klagemauer, sondern präsentiert ein Anti-Lamentier-Programm, das mit allen ins Gericht geht, „die sich bei Kaffee und Kuchen über die Zukunft beklagen“. Da gibt es mal nicht die übliche Politikerschelte, attackiert werden die Wohlstandsbürger, die sich Geiz leisten können und „das Runterhungern als Volkssport entdeckt haben“. Trifft er nicht ins Schwarze, wenn er feststellt; „Wir wollen jede Menge Enkel, aber keine Kinder“? Ohne mit der Wimper zu zucken, kommentiert er seine Sottisen: „Aber natürlich ist das zynisch!“ Worauf er noch eins drauf setzt: „Natürlich machen Kinder Arbeit, aber das tut ein Porsche ja auch!“ Damit sich jeder auch angesprochen fühlt und nicht ausweichen kann, formuliert er mit dem Ziel zur Umkehr: „Wir erwarten viel vom Leben, aber nichts von uns!“ So fördert Jürgens neben den immer einfallsreichen und niveauvollen Attacken auch Nachdenklichkeit. Ein Vorgang, der sich auch ereignet, wenn die von dem vielseitigen Künstler komponierten und mit Klavierbegleitung von ihm vorgetragenen Titel eher besinnlich daher kommen, begleitet von Mathias Kahra (Gesang und Gitarren)... “Fuldaer Zeitung 10/05

 

„ ... Solche Widersprüchlichkeiten wusste Jürgens zu entlarven. Er belehrte und unterhielt zugleich. Mal komisch, mal ernst, war der Abend abwechslungsreich an Stimmungen, bereichert durch äußerst melodische Songs... “Nordhannoversche Zeitung 10/05