Pressestimmen zur Premiere

»Das war kläglich vom DFB«

Das Magazin "11 Freunde" im Interview mit Stefan zur Premiere von Seitenwechsel.

Stefan Jürgens spielt im Theaterstück »Seitenwechsel« einen Trainer, der aufgrund seiner Homosexualität ins gesellschaftliche Abseits gedrängt wird. Wir sprachen mit ihm über das Stück und Homophobie im Fußball.
Benni Kuhlhoff & Ron Ulrich 
zum Interview

 

 

Ein Fußballer mit Herz unter dem Verdacht, homosexuell zu sein

Stefan Jürgens überzeugt mit seinem Alleingang in Axels Schneiders kluger In­szenierung von "Seitenwechsel" in den Kaminerspielen,

Stefan Jürgen im Solo-Theaterstück "Seitenwechsel". Foto: dpa/DPA

Hamburg, Chris Chibnalls "Seitenwechsel" dreht sich nicht um die Frage, ob Trai­ner George homosexuell ist, Der Monolog zeigt vielmehr, wie die Umwelt auf den Verdacht reagiert, er könnte homosexuell sein, Aber der Mann nimmt den Kampf auf; Zuerst gegen den Niedergang seines Vereins. Dann nach dem "Knutsch­skandal" - ausgelöst durch den Spontanschmatz eines Nachwuchstalents im Sie­gestaumel - gegen seine Diffamierung und die Medien-Hetze,

Der vielseitige Stefan Jürgens, er ist Kabarettist, Sänger, Schauspieler und stets präsent im Fernsehen ("SOKO Wien"), schafft überzeugend den Alleingang in Axels Schneiders kluger Inszenierung an den Kammerspielen, Durch die geschick­te Lichtführung macht der Regisseur die Gedankensprünge und Rückblicke von George deutlich. Und Jürgens - als kerniger George nie verlegen um derbe Sprü­che oder eine Standpauke für die schlaffen Spieler - seine Einsamkeit, Ohnmacht und das Tappen im Dunkeln, George ist Job, Familie und Freunde los,

Denn in der Männerdomäne Fußball gilt Schwulsein als Tabu, Wenn die Umwelt nicht fair reagiert, bewahrt sich George Anstand und Courage. Er schützt den Jungen, um dessen Karriere nicht zu ruinieren, Jürgens gelingt das Porträt von George als Plädoyer für den durch Kommerz korrumpierten Sportsgeist. 
HAMBURGER ABENDBLATT- online, 02.2010

 

 

Tabubruch in der Umkleidekabine

Kammerspiele: Stefan Jürgens brilliert als schwuler Fußballtrainer.

Fußball und Homosexualität? Geht in unserer vermeintlich so freizügigen Gesellschaft nicht zusammen, wie Chris Chibnalls Monolog "Seitenwechsel" zeigt, An den Kammerspielen bricht nun Schauspieler und Comedian Stefan Jürgens dieses Tabu auf. Als Trainer des nordenglischen Fußballclubs Northhridge Town steht er in der Umkleidekabine und lässt sein Leben in dieser rauen Männerwelt Revue passieren,

Als schwul werden unter den Kerlen hier nur die Fans der Gegner beschimpft, So löst ein kuss zwischen Trainer George und Nachwuchstalent Darren Quinn einen beispiellosen Skandal aus, als das Foto am Morgen danach in der Zeitung erscheint.

Drastisch greifen in "Seitenwechsel" homophobe Vorurteile in das Leben eines Mannes ein, der für seine Karriere im Leis­tungssport den hohen Preis der sexuellen Selbstverleugnung zahlen musste, Obwohl für ihn nur eines zählt; der Sieg über die gegnerische Elf. Sensibel zeichnet Stefan Jürgens unter der Regie von Axel Schneider in seinem Solo das Schicksal des lei­denschaftlichen Trainers und Familienvaters nach • eine klasse darstellerische Leistung,

Fazit: Aufrüttelnd - nicht nur für Sportsfreunde

Brigitte Scholz, Hamburger Morgenpost, 02.2010

 

 

Freistoß wagen oder in der Deckung bleiben?

Stefan Jürgens spielt homosexuellen Fußballtrainer

Zu den allerletzten gesellschaftlichen Bastionen, in denen Männer noch echte Macker zu sein haben, die für se­xuelle Interaktionen ausschließlich lebende Barbiepuppen akzeptieren, gehört der Profifußball. Selbst in der Bun­deswehr oder unter bayerischen Schuhplattlern sind sie schon weiter und dulden Homosexuelle in ihren Reihen,

Im Wettstreit der Verblendeten liegen die Fußballer also weit vorn, In einem Milieu, in dem Übungsleiter ihren Schützlingen vorm Anpfiff einbläuen, Gras zu fressen, wo sie verlangen, dass beim Schlusspfiff Blut am Pfosten zu kleben habe, dort, wo ein schwach geschossener Elfmeter als "schwul" gebrandmarkt wird, da haben Männer, die auf ihresgleichen fliegen, einen schweren Stand, Homosexualität gilt in Kickerkreisen vielfach offenbar noch als Krankheit, als seelisch-körperlicher Defekt.

Wie nun erginge es schwulen Fußballern, wenn deren Neigung ruchbar würde? Sie würden vom Boulevard gevier-teilt und von den eigenen Leuten verstoßen. So erzählt es das 2004 in London uraufgeführte Stück von Chris Chibnall, das in seiner deutschen Version unter dem Titel "Seitenwechsel" am Dienstag Premiere in den Kammer­spielen feierte, Stefan Jürgens brilliert darin als Solist in der Rolle des britischen Drittligatrainers George, der nach einem unverhofften Remis seines Teams gegen den übermächtigen FC Liverpool, von einem seiner Schütz­linge einen leidenschaftlichen Zungenkuss verpasst bekommt, Das 17-jährige Nachwuchstalent, Schütze des Aus­gleichstores, nutzt den Freudentaumel nach dem Match, um die Liebe zu seinem Übungsleiter zu offenbaren.

Der beginnt sich nun zu häuten, legt Schale für Schale seine eigene, gleichgeschlechtliche Neigung bloß, Jürgens hält die Spannung über die gesamte Strecke des Stücks hoch, rund 90 Minuten netto, Vor allem gelingt es ihm, tiefe Sympathie für die und Solidarität mit den beiden erniedrigten schwulen Figuren zu wecken, Allein dafür hat sich der Abend gelohnt,Der Schwachpunkt von Prosa oder Theaterstücken, die im Kickermilieu spielen, ist die Sprache, Sie ist grob­schlächtig und platt, das ist der Fluch der Authentizität. Am Ende gab es donnernden Applaus, Bravorufe - und nicht ein einziges Wurfgeschoss aus der Fankurve, Von den Hamburger Profiklubs ward übrigens weder Funktio­när noch Spieler gesichtet. Vielleicht fürchtete man, sich der Homosexualität verdächtig zu machen.
Werner Langmaack, Welt Online, 02.2010

 

 

Einfühlsames Stuck über Homophobie im Fußball

Mit «Seitenwechsel» ist den Hamburger Kammerspielen ein einfühlsames Theaterstück über Homophobie im Fußball gelungen, Bei der Premiere am Dienstagabend erhielten Schauspieler Stefan Jürgens und Regisseur Axel Schneider langanhaltenden Beifall vom Publikum. In dem zweistündigen Solostück des britischen Autors Chris Chibnall spielt der 46-jährige Schauspieler einen Fußballtrainer, dem ein kuss eines jungen Spielers zum Verhängnis wird. Nach dem Skandal verliert George alles, was ihm bis dahin etwas bedeutet hat: seinen Job, seine Familie, seine Freunde, Denn Schwulsein ist nach wie vor ein Tabuthema im Fußball. Bild.de , 02.2010

 

 

Theaterexpertin Michaela Meng war bei der Premiere des neuen Stücks in den Kammerspielen

Die Kabine eines zweitklassigen, finanziell schwer angeschlagenen Fußballvereins, das Spiel mit dem Licht und mittendrin ein Mann im dunklen Anzug und zwischenzeitlich im Trikot - das ist die bühnenbildnerische und perso­nelle „Ausstattung" von „Seitenwechsel". Mehr braucht es auch nicht, denn Stefan Jürgens nimmt den Zuschauer in diesem Ein-Personen-Stück mit seinem eindringlichen, abwechslungsreichen Spiel so gefangen, dass man sich auch nicht für eine Sekunde mehr Action auf der Bühne wünscht, Seine Rolle; George, mit Leib und Seele Trainer des zweitklassigen, finanziell schwer angeschlagenen englischen Fußballvereins Northbridge Town. Ausgerech­net dieser Truppe wird im Pokal der große FC Liverpool zugelost,

Die Kleinstadt steht Kopf und auch die Medien schauen jetzt auf George und seine Jungs. Im großen Schicksals­spiel liegt Northbridge - schon alles andere als blamabel - 0:1 hinten, als George kurz vor Abpfiff den 17-jährigen Nobody Darren Quinn einwechselt, der direkt ein Tor schießt, Eine Sensation! Trainer und Mannschaft sind auf einmal Stars, Nach dem Spiel wird natürlich feuchtfröhlich gefeiert, George und Ausnahmetalent Darren haben denselben Nachhauseweg, Die Luft brennt. Der Junge küsst den Trainer. Ein Blitzlicht, Am nächsten Tag das Foto in der Zeitung, „Knutschskandal"! Die Welt des Familienvaters steht Kopf. Er verliert nicht nur seinen Job, auch seine Frau und sein gesamtes Umfeld wenden sich von ihm ab,

Stefan Jürgens erzählt Georges Geschichte mit feiner Ironie, Es wird klar, dass George sich schon zu seiner akti­ven Spielerzeit, an die er mit Stolz und ein wenig Wehmut zurückdenkt, zu Männern hingezogen fühlte, ihm aber klar war, dass solche Gefühle im Fußballgeschäft undenkbar sindOhne aktiv körperlich in andere Rollen zu schlüpfen, sondern ausschließlich durch Veränderung in seiner Stimme bringt der Schauspieler die Menschen aus seinem Umfeld auf die Bühne, Er stellt sie dar, wie George sie wahr­nimmt, Die besondere Sprache des Fußballs und das große komödiantische Talent von Stefan Jürgens, das das

Publikum von ihm spätestens seit „RTL Samstag Nacht" kennt, sorgt für jede Menge Lacher, Gleichzeitig schafft er es, die Tragik der Geschichte so eindringlich und ohne in gängige Klischees oder Überzeichnungen zu rutschen, darzustellen, dass ich an manchen Stellen Gänsehaut hatte, Das Thema „Toleranz im Profifußball" ist seit dem Selbstmord von Nationaltorwart Robert Enke in aller Munde,

Das Fußballgeschäft mit seiner Welt aus echten Kerlen, Männerfreundschaften, Schulterklopfen und Teamgeist ist das ideale Spielfeld für ein Stück zum Thema „Toleranz", In „Seitenwechsel" geht es um mehr als nur um Ho­mosexualität im Kicker-Milieu. Das Thema ist mühelos übertragbar auf Krankheiten wie AIDS oder Depressionen oder etwa plötzliche Arbeitslosigkeit; Viele Menschen kommen mit vermeintlichen „Schwächen" anderer, Abwei­chungen von allgemein geltenden und akzeptierten Normen nicht klar, Von Toleranz und Menschlichkeit keine Spur, wenn man im System nicht funktioniert,

Georges Geschichte ist die eines Mannes, der doch derselbe ist wie vorher; Ein liebenswerter, intelligenter Mensch, ein hervorragender Fußballtrainer, ein guter Vater. Nur dadurch, dass er einen Mann geküsst hat, wird er auf einmal zum ausgegrenzten, gedemütigten, untragbaren Hassobjekt, das alles verliert, was ihm wichtig war. Stefan Jürgens gibt „seinem" George so viel Stolz, Herz und Lebensklugheit mit, dass der Zuschauer am Ende, trotz dessen tragischer Lage jede Menge bewundernden Respekt für diesen gradlinigen Mann empfindet,

Das Premierenpublikum hat die Leistung von Stefan Jürgens unter der Regie von Axel Scheider völlig zu Recht mit minutenlangem Applaus gewürdigt. „Seitenwechsel" ist einfühlsames Theater mit einem großartigen, facetten­reichen Schauspieler in einer hochspannenden „One-Man-Show", Ich war beeindruckt, Anschauen!
Oldie 95, Michaela Meng, 02.2010

 

 

"Seitenwechsel" in den Kammerspielen

Männerfußball ist ein Spiel, in dem ein Thema nach wie vor ein Tabu ist; das Schwulsein, Und genau damit setzt sich das Ein-Personen-Stück "Seitenwechsel" des englischen Dramatikers Chris Chibnell auseinander. Frank Fin-gerhuth war bei der Premiere am 9, Februar in den Hamburger Kammerspielen dabei,

Das Spiel dauert 90 Minuten

"Trainer - ich hab' das nur gemacht, weil ich Sie liebe", sagt das 17-jährige Talent Darren Quinn zu seinem Trainer George nach einein geradezu sensationellen 1:1 im Pokalspiel gegen den mächtigen FC Liverpool, Und dann küsst

er den Trainer im Überschwang der Gefühle auf den Mund, Diese Szene - wie alle übrigen in dem dramaturgisch geschickt inszenierten Monolog - ist der Dreh- und Angelpunkt des Stücks, das inklusive Pause genauso lang ist wie ein Fußballspiel.

Gekonnter Parforceritt

Stefan Jürgens als Trainer des imaginären Vereins Northbridge Town bringt diesen Parforceritt gekonnt und mit bemerkenswerten Nuancen über die Runden; in der ersten Spielhälfte noch mit recht derben Konturen, in der zweiten Halbzeit schon nachdenklicher und mit bitterem Beigeschmack. Denn Homosexualität im Männerfußball ist ein Thema, das weit davon entfernt ist, offen diskutiert zu werden. Eine gelungene Premiere, die mit stürmi­schem Applaus für den Hauptdarsteller und Axel Schneiders Regie gewürdigt wurde. NDR 90,3, 02.2010

 

 

«Seitenwechsel» mit Stefan Jürgens in Hamburg

Mit «Seitenwechsel» ist den Hamburger Kammerspielen ein einfühlsames Theaterstück über Homophobie im Fußball gelungen, Bei der Premiere am Dienstagabend erhielten Schauspieler Stefan Jürgens und Regisseur und Intendant Axel Schneider langanhaltenden Beifall.In dem zweistündigen Solostück des britischen Autors Chris Chibnall spielt der 46-Jährige einen Fußballtrainer, dem ein kuss eines jungen Spielers zum Verhängnis wird. Nach dem Skandal verliert George alles, was ihm bis dahin etwas bedeutet hat; seinen Job, seine Familie, seine Freunde, Denn Schwulsein ist nach wie vor ein Tabu­thema im Fußball. «Mein ganzes Leben war und ist Fußball», resümiert George auf einer Bank im Umkleideraum, links und rechts blaue Spinde, im Hintergrund die Duschen. Und der Zuschauer nimmt teil an seinem Fußballer-Leben - von den Er­folgen als Spieler über eine schwere Verletzung bis hin zum Trainerdasein bei Northbridge Town, Hier hat er ein Team aufgebaut, das ihm alles bedeutet, Das wird besonders deutlich, als er jeden einzelnen Spieler anhand seines Spinds vorstellt, Als seine Mannschaft im Pokal gegen den FC Liverpool antreten soll, wittert er seine große Chance und setzt mit dem jungen Talent Darren alles auf eine Karte, Auf dem Heimweg gesteht Darren dem Trai­ner seine Liebe, Ein kuss im Siegestaumel, abgelichtet von der Presse und auf einmal ist nichts mehr so, wie es einmal war.

Stefan Jürgens spielt den Trainer überzeugend; mal kraftstrotzend, dann wieder nachdenklich und melancholisch, Nach dem rasanten ersten Teil nimmt das Stück im zweiten Teil - nach der Entdeckung der angeblichen Homose­xualität des Trainers - eine überraschende Wende, Zeigt er doch die tiefsitzenden Vorurteile der Gesellschaft gegen Schwule, besonders im Fußball. Er soll alle Schuld an dem Vorfall aus Rücksicht auf den jungen Spieler auf sich nehmen, „denn kein Verein wird eine Schwuchtel nehmen",„Was werden Sie Jetzt tun?", fragt ihn der Reporter am Ende, „Ich hab endlich Zeit nachzudenken, Dabei weiß ich gar nicht, was da eigentlich passiert ist,"
Berliner Morgenpost, 02.2010

 

 

Seitenwechsel

Von Chris Chibnall

Premiere 9.02.2010 in den Hamburger Kammerspiele

Regie: Axel Schneider

Mit Stefan Jürgens

Ein theatralischer Tabubruch mitten ins Herz der Fußballwelt

George ist Familienvater, aber sein Leben gehört dem Fußball. Als Trainer von Northbridge Town hat er genau 100 Tage Zeit, um den Verein aus der finanziellen Schieflage zu retten. Keine leichte Aufgabe. Im Kampf um den sportlichen Aufstieg lässt er seinen Männern keine Schwäche durchgehen.

Als dann auch noch dem kleinen Fußballclub Northbridge Town kein geringerer Gegner als der millionenschwere FC Liverpool zugelost wird, steht die Stadt Kopf. Schon bald parken die ersten Fernsehsender vor dem Stadion, die das Heimspiel vor ausverkaufter Kulisse live ins nationale Fernsehnetz übertragen sollen.

 

George baut auf das Nachwuchstalent Darren Quinn und als das Pokalspiel schon fast verloren ist, bekommt der 17-jährige seine große Chance. Als er ihn bei einem Rückstand von 0:1 eine Viertelstunde vor Schluss aufs Feld schickt und der Junge es ihm mit dem späten Ausgleich dankt, ist George der Mann der Stunde. Alles, sogar die Sensation des Weiterkommens, scheint nun möglich.

Im Anschluss an das Spiel gesteht Darren Quinn George seine Liebe. Knisternde Spannung, ein Kuss, ein Blitzlicht. Das war’s. Am Tag nach dem Erfolg erscheint ein Foto in der Zeitung, das einen Skandal auslöst. Von da an stehen steht mehr als nur die Karriere auf dem Spiel …

SEITENWECHSEL behandelt sensibel ein absolutes Tabu-Thema – Homosexualität im Profi-Fussball.

 

Premiere 9. Februar 2010 Vorstellungen bis 28. März 2010

Hamburger Kammerspiele - Karten vorbestellen

Das schreibt die Presse

TV-Star Stefan Jürgens spielt vor 120 Knackis in Tegel eine Geschichte, die sie alle kennen

Schock-Theater im Knast

 
Da sitzen sie: 120 Mörder, Betrüger und Gewaltverbrecher. Verstohlen tauschen sie Blicke oder starren betroffen auf die Bühne. Dort steht TV-Star Stefan Jürgens, 41, bekannt aus "RTL-Samstagnacht", und liest den Kriminellen die Leviten: "Das wird hier wie im richtigen Leben: Manchmal lustig, manchmal weniger, und dann ist es aus", kündigt er den harten Jungs aus der JVA Tegel an. Und er fährt sie heftig an: "Das ist nicht nur ein Spiel. Es könnte auch euer Leben sein! Denkt mal an eure Familie! An euer Zuhause!"
 
Stefan Jürgens machte es den Knackis bei seinem Gastspiel hinter Gittern am Montagabend nicht leicht. Das Ein-Mann-Stück "Süchtig" von Mark Lundholm (Regie: Guntbert Warns) sollte kein Spaß werden, keine Erholung vom grauen Knastalltag. In einzelnen Szenen erzählt das Stück aus dem Leben eines Ex-Knackis, voller Wut und Frust, Angst und Sucht, Gewalt und Gegengewalt - und trifft damit beim Publikum ins Schwarze! Denn das, was Stefan Jürgens hier nur spielt, haben viele Zuschauer in der JVA Tegel am eigenen Leib erlebt.
 
Dennoch wird auch gelacht. Stefan Jürgens ist eben ein Comedian, doch im nächsten Augenblick kippt die Stimmung. So etwas kennen die Insassen. Betroffen folgen sie der Szene, in der Jürgens in der Rolle des Knackis erzählt, wie ihn sein Vater immer wieder grundlos verprügelt hat. Totenstille im Publikum. Was denkt man da als Schauspieler? "Man schaut sich im Saal um und liest in allen Gesichtern ,Das kenn' ich'. Da entstehen Momente von ganz großer Nähe", erzählt Jürgens.
 
Anderthalb Stunden voll von kaputter Kindheit, steiler Drogenkarriere, Verwahrlosung und Kriminalität gehen den Gefangenen unter die Haut. "Doch bei dem tristen Alltag hier im Knast ist alles gut, was von draußen kommt, da ist alles ein Highlight", so Michael M., 48, der wegen Mord lebenslang sitzen muss. Die grausame Komödie "Süchtig" ist für die Insassen der JVA jedoch etwas ganz Besonderes.
 
"Ich hätte das nie so erwartet", sagt Michael S., 49, selbst früher drogenabhängig und wegen Totschlags im Rausch seit zwei Jahren in Tegel. "Ich habe das alles genau so erlebt. Es war faszinierend und gleichzeitig unfassbar." Und Andreas W., der wegen Mordes lebenslänglich bekommen hat, meint respektvoll: "Ein Fremder hätte das so nicht machen können. Er muss es erlebt haben."
 
Doch Jürgens war selbst niemals süchtig. Dass er so gut ankam, ist einzig und allein seiner schauspielerischen Meisterleistung zu verdanken. Jürgens: "Das war für mich aber auch eine ganz neue Erfahrung. Eine extreme Situation, spannend und viel direkter als im normalen Theater." Er ist von seinem Knast-Auftritt so begeistert, dass er schon neue Pläne schmiedet: "Jetzt will ich gleich durch die nächsten Gefängnisse touren." jw, BZ Berlin 07/2004

 

„Stefan Jürgens hält zwei Stunden bei bester Laune. Man ist ergriffen und wird sogar ein wenig nachdenklich.“ Rheinzeitung, Koblenz

 „Jürgens Feuerwerk an Pointen ließ kaum Gelegenheit, zwischen den zahlreichen Lachsalven zu verschnaufen.“ Rheinische Post

„Besonders sehenswert waren die Songs, die schön zwischen Melancholie, Satire und Ernsthaftigkeit oszillierten.“ Mainzer Allgemeine Zeitung 

„Die Tat: Die Strapazierung des Zwerchfells bis hin zur leichten Körperverletzung.Das Urteil: Verschärfte Auftrittspflicht auf deutschen Bühnen für den Kabarettisten.“ Iserlohner Kreisanzeiger