Die Ziege oder Wer ist Sylvia?

von Edward Albee

süchtig - schauspielhaus bochumMartin Gray ist ein berühmter, preisgekrönter Architekt auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Zusammen mit seiner Frau Stevie und ihrem Sohn Billy führen sie ein wirklich harmonisches und erfülltes Familienleben. Gerade feiern sie Martins fünfzigsten Geburtstag. In diese fröhliche Normalität der Familie Gray bricht eine andere Realität von elementarer, fast archaischer Wucht ein, denn Martin gesteht seinem besten Freund, dem Journalisten Ross, dass er seit einem halben Jahr eine Liebesbeziehung mit Sylvia hat. Ross ist über dieses Geständnis entsetzt. Schriftlich teilt er Stevie mit, dass Martin ein Verhältnis "pflegt" - nicht in einer ihrer gängigen, gesellschaftlich akzeptierten Spielarten, sondern in einer auch heute noch für besonders bizarr und unnatürlich erachteten Form - denn Sylvia ist eine Ziege.

Wie etwas Göttliches?

 

Die Ziege wird zur Personifizierung von Naturgewalt. In ein heiles und intaktes Leben wird mit voller Wucht etwas Unbeschreibliches, Unvorhergesehenes, Unbekanntes hineingeschleudert, so dass nichts mehr im Leben ist wie zuvor. Die Ziege oder Wer ist Sylvia? bewegt sich an den Grenzen unserer moralischen Vorstellungen und lotet so auch die Belastbarkeit der Toleranz aus und zeigt, dass niemand vor plötzlich eintretenden Katastrophen gefeit ist. Neben diesem deutlich gesellschaftskritischen Impuls beleuchtet Die Ziege oder Wer ist Sylvia? aber auch Tiefenstrukturen unserer Gegenwart, die sich mit Begriffen wie "Norm" und "Abweichung" eben nicht ausreichend beschreiben lassen.

Edward Albee

 

Edward Albees neues Stück, das 2002 mit dem Tony Award als bester dramatischer Text des Jahres ausgezeichnet wurde, bezeichnet der Autor im Untertitel als "Anmerkungen zu einer Bestimmung des Tragischen". Edward Albee, 1928 in Washington D.C. geboren und seit Wer hat Angst vor Virginia Woolf? einer der bedeutendsten und einflussreichsten amerikanischen Dramatiker, ist ein ausgewiesener Spezialist für Zimmerschlachten ums Ganze. Dabei wird die realistische Ausgangssituation seiner Stücke häufig durch archaische, surreale und (alp-)traumhafte Unterströme in Frage gestellt und erweitert. Er selbst beschreibt seine Dramen als "Angriff auf die Ersetzung von wahren durch künstliche Werte, eine Verurteilung von Selbstgefälligkeit, Grausamkeit, Verweichlichung und Gedankenlosigkeit, eine Stellungnahme gegen das Märchen, alles sei in Butter in unserem trudelnden Land."

 

MIT

Martin  - Guntbert Warns Stevie Catrin Striebeck

Billy    -  Sven Fricke

Ross   -  Stefan Jürgens

 

Regie - Burghart Klaußner

Bühne - Bernhard Siegl

Kostüm - Marion Münch

 

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