Heldenzeiten

heldenzeitenSchön wär´s. Aber in Wirklichkeit helfen wir der Oma nur so weit über die Straße, bis unser Handy klingelt. Und richtig mutig und unerschrocken sind wir eigentlich nur noch beim Friseur.Schlummert den gar kein heroischer Geist mehr in uns? Wir verwechseln unsre Jammerchöre auf hohem Niveau mit den Klagegesängen der alten Griechen und leben nach dem Motto: wo viele Schweine sind, kann man nix versauen.Jürgens befasst sich mit der Frage, wie man es schafft, wieder sein eigener Held zu werden. Sich wieder furchtlos und ohne Lebensversicherung ins tägliche Dasein zu stürzen und den morgendlichen Blick in den Spiegel lächelnd zu bestehen. Ohne Antidepressiva.. Und das in einer Zeit, in der jeder moderne Ritter aussehen muss wie Orlando Bloom und Menschen mit Problemhaut und Höhenangst richtig schlechte Karten haben.

 

Jürgens träumt noch. Von Heldenzeiten. Und von der sagenhaften Liebe ohne Sorgerechtsprozesse und Schönheitsoperationen. Aber er kennt sich auch aus in den menschlichen Untiefen und macht sich einen heilenden Spaß aus den eigenen Unzulänglichkeiten. Das er dabei noch ein großartiger Musiker und Songwriter ist und sich traut, die beißende Komik seiner Alltagsbetrachtungen immer wieder mit tiefen Emotionen zu beantworten, machen seine Abende zu unverwechselbaren Ereignissen in der Branche. Immer menschlich, immer widersprüchlich und immer im Zentrum des eigenen Spotts, bleibt er auf Augenhöhe mit seinem Publikum, das sich auch deshalb bei ihm so gut aufgehoben fühlt.

Selbst dann, wenn er die Matrix im Cheeseburger sucht oder verzweifelt der Frage nachgeht: Was würde Robin Hood heute für ein Auto fahren?

Als Mitglied der legendären RTL Samstag Nacht gilt Stefan Jürgens als einer der Gründerväter der deutschen Comedy. Als Film und Fernsehschauspieler hat er sich ein Millionenpublikum erspielt und als Musiker und Songwriter mit seinem ersten Soloalbum LANGSTRECKENLAUF das Publikum und die Kritiker gleichermaßen ins Schwärmen gebracht. Der mehrfache Fernsehpreisträger erspart seinem Publikum jegliche Form von Albernheiten und platten Schenkelklopfern. Und bleibt dabei zum Schreien komisch. Seien Sie mutig. Erleben Sie diesen Mann life. Wagen Sie sich in einen schonungslos komischen und berührenden Abend.

Relativ komischer Stoff

Stefan Jürgens steht in der arena auf der Bühne.

Unter der Regie von Guntbert Warns spielt er „Süchtig“ – ein Solo-Stück des amerikanischen Autors Mark Lundholm.

guntze stefan in suechtig

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Spielen, Klauen, Sex, Drogen – willkommen in der Welt der Abhängigkeiten! Menschen verfallen dem Rausch des Geldausgebens, des Internets, des Fernsehkonsums – und schaffen es nicht, ohne fremde Hilfe davon zu lassen. Es wird so viel analysiert und therapiert wie nie zuvor – nicht immer mit Erfolg, aber stets mit großem Ernst.

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Die Ziege oder Wer ist Sylvia?

von Edward Albee

süchtig - schauspielhaus bochumMartin Gray ist ein berühmter, preisgekrönter Architekt auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Zusammen mit seiner Frau Stevie und ihrem Sohn Billy führen sie ein wirklich harmonisches und erfülltes Familienleben. Gerade feiern sie Martins fünfzigsten Geburtstag. In diese fröhliche Normalität der Familie Gray bricht eine andere Realität von elementarer, fast archaischer Wucht ein, denn Martin gesteht seinem besten Freund, dem Journalisten Ross, dass er seit einem halben Jahr eine Liebesbeziehung mit Sylvia hat. Ross ist über dieses Geständnis entsetzt. Schriftlich teilt er Stevie mit, dass Martin ein Verhältnis "pflegt" - nicht in einer ihrer gängigen, gesellschaftlich akzeptierten Spielarten, sondern in einer auch heute noch für besonders bizarr und unnatürlich erachteten Form - denn Sylvia ist eine Ziege.

Wie etwas Göttliches?

 

Die Ziege wird zur Personifizierung von Naturgewalt. In ein heiles und intaktes Leben wird mit voller Wucht etwas Unbeschreibliches, Unvorhergesehenes, Unbekanntes hineingeschleudert, so dass nichts mehr im Leben ist wie zuvor. Die Ziege oder Wer ist Sylvia? bewegt sich an den Grenzen unserer moralischen Vorstellungen und lotet so auch die Belastbarkeit der Toleranz aus und zeigt, dass niemand vor plötzlich eintretenden Katastrophen gefeit ist. Neben diesem deutlich gesellschaftskritischen Impuls beleuchtet Die Ziege oder Wer ist Sylvia? aber auch Tiefenstrukturen unserer Gegenwart, die sich mit Begriffen wie "Norm" und "Abweichung" eben nicht ausreichend beschreiben lassen.

Edward Albee

 

Edward Albees neues Stück, das 2002 mit dem Tony Award als bester dramatischer Text des Jahres ausgezeichnet wurde, bezeichnet der Autor im Untertitel als "Anmerkungen zu einer Bestimmung des Tragischen". Edward Albee, 1928 in Washington D.C. geboren und seit Wer hat Angst vor Virginia Woolf? einer der bedeutendsten und einflussreichsten amerikanischen Dramatiker, ist ein ausgewiesener Spezialist für Zimmerschlachten ums Ganze. Dabei wird die realistische Ausgangssituation seiner Stücke häufig durch archaische, surreale und (alp-)traumhafte Unterströme in Frage gestellt und erweitert. Er selbst beschreibt seine Dramen als "Angriff auf die Ersetzung von wahren durch künstliche Werte, eine Verurteilung von Selbstgefälligkeit, Grausamkeit, Verweichlichung und Gedankenlosigkeit, eine Stellungnahme gegen das Märchen, alles sei in Butter in unserem trudelnden Land."

 

MIT

Martin  - Guntbert Warns Stevie Catrin Striebeck

Billy    -  Sven Fricke

Ross   -  Stefan Jürgens

 

Regie - Burghart Klaußner

Bühne - Bernhard Siegl

Kostüm - Marion Münch

 

Galante Provokationen

Eine makabre Ader, ein Hang zur Ernsthaftigkeit und Qualitäten eines versierten Chansoniers und Pianisten: all das zeichnet den Kabarettisten Stefan Jürgens aus. Dem Fernseh-Preisträger gelingt bei seinen Auftritten eine Gratwanderung zwischen Comedy und Satire. Dabei kann es passieren, dass Jürgens nach 20 Minuten humorvollen Monologs über Beziehungskisten, Sex und wahre Liebe am Klavier Platz nimmt, um eine klassische Ballade anzustimmen. So hat das Publikum die Möglichkeit, einen Mann mit vielen Gesichtern kennen zu lernen. Bei seinen verschiedenen Rollen, wie die des Schwerenöters, Exzentrikers und Verlierers, kommt der Schauspieler mit wenigen Gesten aus. Sein aktuelles Programm „Langstreckenlauf“ hat Tiefgang, ohne die üblichen, amüsanten Oberflächlichkeiten zu vergessen. TAZ 01/04

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